Logbuch, Eintrag 1

Donnerstag, 29.10.2026. Die Alte Liebe liegt in Beerta, Niederlande.

Der Einsiedlerkrebs hat ein Problem. Er wächst, sein Haus nicht. Also zieht er um. Er kriecht über den Grund und prüft leere Schneckenhäuser. Erst steckt er die Scheren hinein, dann den weichen Hinterleib. Zu eng? Weiter. Zu groß? Auch weiter. Irgendwann passt eins, zumindest für eine Weile.

Bei mir hat die Suche länger gedauert.

Zuerst wollte ich um die Welt. Ich habe gerechnet und Seekarten gelesen, Etappen geplant, Kosten addiert. Das Ergebnis war eindeutig. Zu teuer. Und auf manchen Passagen zu gefährlich für ein kleines Boot und einen Mann, der seinen Körper kennt. Das Haus war zu groß. Man rutscht darin hin und her.

Also kleiner. Über die Kanäle ans Mittelmeer, bis nach Banyuls-sur-Mer. 2029, ein halbes Jahr, Schleuse für Schleuse. Unterwegs schreiben. Anlegen, wo Menschen sind, die reden wollen.

Dafür brauchte ich ein Boot.

Im April 2026 gehörte sie mir. Die Alte Liebe. Ein Stahlverdränger, Baujahr 1978, zehn Meter lang, drei breit, rund acht Tonnen schwer. Im Bauch ein Vetus-Diesel mit 15 PS. Für acht Tonnen ist das nicht viel. Schnell wird sie also nicht. Muss sie auch nicht. Auf dem Kanal überholt einen sowieso der Radfahrer auf dem Treidelpfad.

Neu ist an ihr nichts. Ich bin ja auch nicht mehr neu.

Die ersten Wochen haben wir uns beschnuppert. Freunde haben es wieder fahrtauglich gemacht. Ich bin Akademiker und mit zwei linken Händen ausgestattet.

Und dann waren die ersten Gäste an Bord. Menschen in Trauer, die nicht in einem Beratungsraum sitzen wollten. 

Damit war klar, dass die Idee trägt. 

Für ein halbes Jahr unterwegs braucht die Alte Liebe einen größeren Wassertank und einen größeren Dieseltank. Dazu einen Kartenplotter. Der Motor will gewartet werden. Innen fliegt eine Sitzbank raus, dort kommt ein kleiner Schreibtisch hin. Und gegen Regen braucht es eine Sprayhood und eine Kuchenbude, denn Ostfriesland ist kein Mittelmeer und Burgund im April auch nicht. Praktisch soll es werden. Schön wäre ein Bonus.

Jetzt suche ich die Leute, die das können. Mit einem Segelmacher habe ich gesprochen. Eine Werft an der Küste rechnet gerade, was der Umbau kostet und wie lange er dauert. Ende November fahre ich zur OutVenture nach Berlin, im Januar zur boot nach Düsseldorf. Dort will ich Anbieter finden und Menschen, die diese Reise mittragen.

Wie teuer wird das? Wie lange liegt sie an Land? Und was sagt sie dazu?

Hier im Logbuch können Sie mitlesen. Ab jetzt jeden Monat.

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